Ein tödliches Gefängnis, umgestürzte Autos und Feuchttuch-Hygiene. Warum das Camp Moria 2.0 aufgelöst werden muss!

Nach all dieser Zeit, in der wir immer mehr abgestumpft sind gegenüber dem Horror in Moria und den täglichen Berichten von der Gewalt des europäischen Grenzregimes, erscheint uns Moria 2.0 zunächst erst einmal nur wie ein weiteres beschissenes Camp. Aber es ist mehr als das. Der strukturelle Rassismus hat sich hier selbst übertroffen. Dieses Lager zeigt, wie gründlich kaputt das System ist und wie es hier keine (moralischen) Grenzen dazu gibt, wie unmenschlich man hier Menschen behandeln darf, die Schutz in der EU suchen.


Wo ist das Camp errichtet worden?

Das Areal ist ein ehemaliger militärischer Schießübungsplatz. Aus Sicht der Behörden war dies ideal: Ein verfügbares Gebiet direkt an der Küste, bereits komplett eingezäunt. Wie allerdings berichtet wurde von Al Jazeera, Agean Boat Reports und anerkannten Expert:innen, ist dieses Areal höchst wahrscheinlich extrem giftig. Und wir sprechen hier über Kann-Kinder-töten-giftig! Es wurden Schrapnelle und sogar scharfe Munition gefunden, noch nachdem die Geflüchteten in dieses Camp gepfercht wurden, obgleich es angeblich hätte bereinigt sein sollen! Was hier herum liegt, bringt ernsthafte Gesundheitsrisiken mit sich: Bleisäure, Quecksilber, unser all-time-Favourit Uran und andere Stoffe töten höchst wahrscheinlich langsam die hier lebenden Menschen oder beeinträchtigen zumindest deren Gesundheit immens. Während Du dies hier liest, stehen Kinder auf einer höchst giftigen Erde, nehmen Stoffe in sich auf, die sie möglicherweise daran hindern werden, je ein normales Lebens führen zu können…oder überhaupt ein Leben. Klingt (über)dramatisch? Dann lasst uns mal kurz einen Blick werfen auf den Fall, bei dem der UNHCR 1999 im Kosovo ein Camp für Roma ebenfalls auf einem stark mit Blei verseuchten Schießübungsplatz errichtet hat. Ja, es ist durchaus dramatisch!


In welcher Gegend befindet sich das Camp?

Im Gegensatz zum alten Moria, das landeinwärts und umgeben von Hügeln errichtet wurde, liegt das neue Moria 2.0 direkt an der Küste. Es ist der rauen See und den harten Wetterbedingungen schutzlos ausgeliefert. Und es deutlicher zu sagen: Im Winter wurden in genau dieser Gegend Autos durch Stürme umgeblasen und Seegras hunderte Meter weit ins Landesinnere getragen. Die erste Reihe mickriger UNHCR-Zelte steht nur 15 Meter von der Küstenlinie entfernt! Sie haben keine Chance!

Und dann kommt der Regen. Und es regnet heftig in dieser Gegend der Küste. Der Untergrund aus Kies kann das Wasser nicht aufnehmen, das hier manchmal herunterkommt. Ein durchschnittlicher Herbststurm kann den größten Tei des Lagers in einen Swimmingpool verwandeln. “Glücklicherweise” wurden Flyer ausgeteilt, die erklären, wie die Geflüchteten Gräben um die Zelte ziehen können, damit diese nicht komplett überschwemmt werden. Doch wir wissen ja: Der Winter naht und das schlimmste kommt erst noch.


Noch was?

Haben wir das schon erwähnt? Kein fließendes Wasser, das bedeutet keine Duschen und  damit keine zulängliche Hygiene. Feuchttücher sind das Mittel der Wahl. Pech gehabt, wenn du als Frau gezwungen bist, mit Fremden zu leben. Und nun stell dir vor, du menstruierst und es gibt nur mit Fäkalien verschmierte Toiletten. Und die Liste geht weiter…und weiter…und weiter. Keine Elektrizität, keine Möglichkeit zu heizen, permanente Angst vor Corona, kaum medizinische Versorgung, das Verbot, das Camp zu verlassen, denn…


…Moria 2.0 ist ein Gefängnis! Und ein schreckliches Gefängnis noch dazu! Wie manche Geflüchtete sagen: Im Gefängnis bekommt man wenigstens ein Bett und regelmäßige Mahlzeiten!

Moria 2.0 ist ein weiteres Camp, das aus der europäischen Abschottungspolitik erwachsen ist und das Flüchtende in zutiefst inhumaner Weise behandelt. Darüber hinaus ist es auch ein Pilotprojekt dafür, wie schlimm man Menschen behandeln kann, die an den europäischen Außengrenzen eingesperrt sind. Mach nicht den Fehler zu glauben, diese widerwärtige Todesfalle von Camp sei durch die Inkompetenz der griechischen Behörden oder einen Mangel an Geld entstanden: Das ist gewollt!

Wenn wir nicht für ein System kämpfen, das allen Menschen ein Mindestmaß an Würde zugesteht – international vereinbarte Menschenrechte – dann verdienen wir diese selber nicht. Mach mit diesen Informationen, was du willst – hoffentlich lehnst du dich nicht auf der Couch zurück, sondern entscheidest dich voller Wut aufzubegehren und den Protest auf die Straße und in die Parlamente zu tragen! 

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