Corona ist nicht das Problem – Moria ist das Problem!

Schon allein die Vorstellung, dass sich ein Virus, gegen den es noch keine medizinischen Mittel gibt, an einem Ort wie Moria ausbreitet und damit eine Katastrophe auslöst, macht deutlich wie unhaltbar die Zustände in Moria bereits sind, auch ohne Covid-19. So sieht es auch Alex, mit dem wir über seine Lage in Moria gesprochen haben. Während sich die ganze Welt mit neuen Regularien zur Einschränkung der Pandemie beschäftigt, sind die Lebensumstände der Migrant*innen auf Lesbos schlimmer denn je. 

Zurzeit darf unser Team, aufgrund der von Covid-19 Auflagen, seine Mission auf See nicht fortsetzen. Trotz dieser Umstände sind Mitglieder unserer Crew auf Lesbvos vor Ort. Die europäischen Staaten sind verpflichtet, Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu ergreifen. Diese vorbeugenden Maßnahmen müssen aber rechtmäßig, notwendig und verhältnismäßig sein. Und bei allen diesen Bemühungen müssen die Menschenrechte immer im Mittelpunkt stehen. 

Solange wir die Mission auf See nicht auf dem Meer fortsetzen können, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die zunehmend gefährliche Lage von Migrant innen auf Lesbos zu dokumentieren und darüber zu berichten. Regelmäßig werden wir über Pushbacks und Menschenrechtsverletzungen auf See informiert. Wir sind in Kontakt mit Migrantinnen, die an der Nordküste von Lesbos angekommen sind. Sie verbringen sind bereits seit zwei Wochen in provisorischen Unterkünften am Strand ohne ausreichende Versorgung und warten auf ihre Verlegung. Außerdem sprechen wir regelmäßig mit Menschen, die bereits in Moria festsitzen. Sie kämpfen um ihr Überleben, ohne Zugang zu den notwendigen Vorsorgemaßnahmen gegen das Virus: angemessene Unterkunft, sauberes Wasser und Seife. 

Nadja von Mare Liberum teilt ihre Eindrücke aus dem Hotspot-Camp: „Migrant*innen im Camp, erzählen uns über die mangelhafte hygienische und medizinische Situation. Wasser ist immer knapp; Handschuhe, Masken oder andere Hygiene-Artikel sind kaum zu bekommen. Während man aufs Essen wartet oder auf die Toilette, steht man dichtgedrängt mit anderen Menschen zusammen. Schutz vor einer Corona-Infektion ist fast unmöglich. Menschen mit Fiber oder Erkältungssymptomen, die sich bei der Krankenstation melden, werden einfach in ihre Zelte zurückgeschickt. Außerdem gibt es keinen Zugang zu Corona-Tests in Moria. Wie ist es möglich, dass den Menschen überall in Europa, erzählt wird, sie sollen zu Hause bleiben und größere Versammlungen meiden, aber in Moria wird nichts getan, um Menschen zu schützen, die zu tausenden dicht gedrängt sind? Wir fordern Europa auf, zu handeln!“ 

Anna, ein weiteres Mitglied unserer Crew, beschreibt die Situation an der Nordküste von Lesbos. Hier kommen die meisten Boote mit Migrantinnen an: „Trotz der Krise, kommen weiterhin Migrantinnen von der Türkei nach Lesbos. Die schreckliche Situation in der Türkei, hat sich kein Stück geändert, sie wird eher schlimmer. Dies zwingt sie weiterhin zur Flucht. Wegen der Infektionsgefahr werden sie am Strand zusammengetrieben oder in abgesperrten Hafenanlagen eingesperrt. Diese „Schutzmaßnahmen“ werden von den Behörden überwacht. Die Migrant innen haben weiterhin keine Möglichkeit Asyl zu beantragen. Im Norden von Lesbvos, in Petra, müssen 56 Menschen seit über 12 Tagen warten und sind dabei massiv unterversorgt. Das ist keine Lösung, um die Ausbreitung von Corona zu verhindern. Menschenrechte sind universell – und gelten für Jeden, auch in Krisenzeiten! Dabei spielt dein Aufenthaltsstatus als Migrant in keine Rolle.“

Auch in dieser Krisenzeit sammelt unser Team weiterhin Informationen und Zeugenaussagen von Migrantinnen sowie unseren lokalen Kontakten. In den kommenden Wochen werden wir darüber berichten, wie diese „Schutzmaßnahmen“, die am stärksten gefährdeten Gruppen, wirklich schützen. 

*Namen geändert

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