Das war kein Unfall!

Sie starben auf Grund der Abschreckungspolitik und des Haftregimes Europas!

Video “Fire and protests” – Testimonies from the Mare Liberum Crew that was on scene

Gestern, am Sonntag, den 29. September 2019, brach im sogenannten Hotspot Camp Moria auf Lesvos in Griechenland ein Feuer aus. Eine Frau und wahrscheinlich auch ein Kind verloren bei dem Brand ihr Leben. Es bleibt unklar, wie viele weitere verletzt wurden. Doch nicht nur Menschen fielen dem Brand zum Opfer. Unzählige verloren ihr Hab und Gut, einschließlich ihrer Ausweispapiere und der letzten persönlichen Gegenstände die sie noch besaßen. Die auf Lesbos festgesetzten Menschen flohen vor Kriegen und Konflikten und erleben nun Gewalt an einem Ort, an dem sie Schutz suchten- Europa. Viele im Camp durch lebten während der gestrigen Ereignisse eine Retraumatisierung, flohen aus Moria und verbrachten unter Schock die Nacht im Wald.

In den letzten Wochen ereigneten sich zwei weitere Todesfälle im Hotspot Camp Moria: Im August wurde ein 15-jähriger bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung unter Minderjährigen im sogenannten “safer space” des Lagers getötet. Am 24. September verlor ein 5-jähriger Junge sein Leben, als er von einem Lastwagen vor dem Tor des Camps, überfahren wurde.

Das gestrige Feuer war keine Überraschung, kein Unfall und kein Einzelfall. Es ist nicht das erste und es wird nicht das letzte gewesen sein. Der Hotspot brannte bereits mehrere Male, am schwerwiegendsten im November 2016, als große Teile des Lagers komplett nieder brannten. Das Regime der Abschreckung und Inhaftierung in Europa hat erneut seine Toten gefordert. 

Noch während das Feuer gestern wütete, tauchten in den Medien bereits erste Ansichten und augenscheinliche Halbwahrheiten auf, die Geflüchteten selbst, hätten das Lager in Brand gesetzt, heißt es im Tenor. Ebenfalls sollen sie die Feuerwehr am Betreten des Geländes gehindert haben. Wir hatten die Möglichkeit mit vielen Menschen zu sprechen, die die Ereignisse direkt miterlebten. Sie erzählen eine andere Geschichte: Die Feuerwehr traf extrem spät ein, was angesichts der Überbelegung dieses monströsen Hotspots nicht verwunderlich ist. Trotz seiner offiziellen Kapazität für 3.000 Menschen sitzen dort zur Zeit mindestens 12.500 Menschen fest, die unter menschenunwürdigen Bedingungen ihr Dasein fristen. Auf Handy-Videos, die im Lager aufgenommen wurden, ist deutlich zu sehen, wie Bewohner*innen und Feuerwehr in dem Chaos gemeinsam versuchen eine noch größere Katastrophe zu verhindern.

Es kann keinen funktionierenden Notfallplan in einem Lager geben, das seine Kapazität viermal überschritten hat! Als mehrere Container des Lagers Feuer fingen, was eine enorme Rauchentwicklung mit sich zog, brach Panik unter den Menschen im abgeschlossenen Sektor des Lagers („ Section B“) aus. Sie versuchten die Türen aufzubrechen, im ins Freie zu gelangen und sich so in Sicherheit zu bringen. Eine Reaktion von Seiten der Camp Autoritäten, lies nicht lange auf sich warten. Die Polizei wurde gerufen, die wiederum Tränengas über den Zaun in „Secion B“schoss, was einen noch giftigeren Rauch erzeugte.

Wut und Trauer über all diese sinnlosen Todesfälle und Verletzungen trugen zur ohnehin schon explosiven Atmosphäre in Moria bei. Diejenigen, die einen Aufstands der Internierten von Moria kriminalisieren und verurteilen, scheinen sich zu keinem Zeitpunkt ein Bild gemacht zu haben, welcher Unmenschlichkeit täglich in den Lagern zu erleben ist. Die wahre Gewalt ist das Lager selbst, das Ergebnis der Abschreckungspolitik des EU-Grenzregimes.

Wir erheben unsere Stimme in Solidarität mit allen in Moria festgesetzten. Die einzige Möglichkeit, dieses Leiden und Sterben zu beenden, besteht darin, die Inseln zu öffnen und Bewegungsfreiheit für alle zu erreichen. Diejenigen, die auf den Inseln ankommen, müssen ihre Reise fortsetzen dürfen, um einen Ort der Sicherheit und Würde zu finden. Wir fordern Fähren, für eine sofortige Übersetzung der Festgesetzten auf das griechische Festland. Wir fordern offene Grenzen, um die ungehinderte Weiterreise aller zu ermöglichen. Keine Lager auf den Inseln, nicht auf dem Festland- keine Lager nirgendwo.

Schließt Moria! Öffnet die Inseln! Bewegungsfreiheit für alle!

Mare Liberum e.V.

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