“Ich war wie ein Vogel im Käfig, der nach Freiheit suchte.”

Wir haben mit einem Mann gesprochen, der vor kurzem von Lesbos in den Iraq abgeschoben wurde. Die griechische Regierung verlegte ihn vom Hotspot Camp Moria in die Türkei. Hier wurde er weiter in den Iraq gebracht. Für Farid (Name geändert) war es eine tragische Erfahrung. Und er ist nicht der Einzige. Immer mehr Flüchtende sehen sich mit demselben Problem konfrontiert. Sie werden in die Länder abgeschoben, die sie eigentlich verlassen wollen. Leider sind solche Abschiebungen alltägliche Beispiele für die strukturelle Gewalt des Grenzregimes. 

Farid ist aufgrund politischer Probleme nach Europa gekommen und da er sich in seinem eigenen Land nicht länger sicher fühlte. “Die Menschheit blutet wegen der Waffenhersteller und der Geistlichen.“ Farid äußert offen seine Meinung über die Rolle der USA, Großbritanniens, Israels und Russlands und kritisiert sowohl Terroristen als auch Geistliche deutlich. Nichtsdestotrotz lehnte die griechische Regierung seinen Asylantrag ab, nachdem er in Lesbos angekommen und nach Moria gebracht worden war. So gelangte Farid in das Abschiebungssystem. 

Zuerst wurde er für 10 Tage in Einzelhaft in einer geschlossenen Abteilung in Moria gesteckt. Auf die Frage, wie er sich gefühlt hat, antwortete er: „Ich war wie ein Vogel im Käfig, der nach Freiheit suchte.“

Am Nachmittag des 2. Juli 2019 brachten ihn Autoritäten in den Hafen von Mytilini. Er wusste, was ihn erwarten würde. Am Tag zuvor wurde ihm gesagt er solle sich auf seine Abschiebung in die Türkei vorbereiten. Die Abschiebung wurde mit der Fähre durchgeführt. “Die Griechen*innen schickten mich höflich dorthin. Uns wurden nicht die Hände gefesselt,” betont Farid.

In der Türkei angekommen, wurde die Gruppe abgewiesener Flüchtenden der türkischen Polizei übergeben. Diese brachte die Gruppe sofort zu einem Gefängnis nahe Izmir. Farid beschreibt das Gefängnis als schlechte Erfahrung: “Es war überfüllt. Es gab keine Betten, nur Decken zum darauf schlafen. Der Zugang zur Toilette war eingeschränkt. Kommunikation mit der Außenwelt war verboten. Die Polizei schrie die ganze Zeit. Ich sah einen Polizisten auf jemanden wie verrückt eintreten.”

Farid blieb in diesem Gefängnis für 2 Tage. Dann legte die Polizei ihm Handschellen an und brachte ihn zu einem Bus. “Es war ein großer, überfüllter Bus. Wir trugen die ganze Zeit über Handschellen. 5 Polizisten mit Gewehren überwachten uns. Zugang zur Toilette war wieder eingeschränkt. Als ich an der Reihe war, zwang mich der Polizist diese zu säubern. Sie erniedrigten uns.”

Nach 23 Stunden erreichte der Bus die irakische Grenze. Die Polizisten nahmen die Handschellen ab und übergaben die Flüchtenden der irakischen Polizei.

Glücklicherweise wurde niemand verhaftet. Heute ist Farid frei. Er muss jedoch mit denselben Problemen leben, mit denen er vor seiner Flucht konfrontiert war, und er hat sein Leben riskiert, um für nichts nach Europa zu gelangen. Zu wessen Gunsten?

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