Migrant*innen, die im Ausnahmezustand auf Lesbos ankommen

Situation der Neuankömmlinge auf der Insel Lesbos seit dem 1. März 2020.

Am 1. März hat die griechische Regierung verkündet, dass es kein Recht auf Asyl für Neuankommende gibt und diese direkt abgeschoben werden sollen. Dies war die Reaktion auf die Öffnung der Grenzen, seitens der türkischen Regierung. Seit dem sind 384 Migrant*innen auf Lesbos angekommen. Menschen, die vor dem 14. März angekommen sind, wurden auf einem Kriegsschiff festgehalten (unser tweet). Sie wurden später in die Camps Malakasa und Serres auf dem Festland gebracht. 

Seit diesem Tag sind 191 Migrant*innen auf Lesbos angekommen. Sie wurden unter schrecklichen Bedingungen gezwungen, am Strand oder Hafen im Norden der Insel, zu bleiben, wo sie angekommen waren: 56 im Hafen von Petra, ca. 40 in der Kapelle in Kleio und 35 in Aghios Stefanos. 

In einem dieser „Quarantäne-Camps“, befinden sich ca. 30 Menschen in zwei UNHCR Zelten, in denen sie fast keinen Platz haben. Nach der Ankunft in diesem Camp forderten sie ein zusätzliches Zelt an. Es wurde ein Sommerzelt bereitgestellt, in dem nur einige Menschen Platz hatten. Dieses kühlte jedoch schon in der ersten Nacht so aus, dass sie sich wieder zu den Menschen in die größeren Zelte drängen mussten. An anderen Stellen verboten die Einheimischen das Aufstellen der größeren UNHCR Zelte. Deshalb mussten die Menschen, unter widrigen Bedingungen, in den Sommerzelten ausharren. Andere mussten unter kleinen Booten im Hafen, in dem sie bleiben mussten, Unterschlupf suchen. 

Zwar liefert das UNHCR einmal am Tag Nahrung und Wasser in kaum ausreichenden Mengen. Jedoch ist das größte Problem an beiden Orten die Hygiene. Es gibt keine Toiletten, weshalb die Menschen die Steine im Hafen oder den Wald, als solche benutzen müssen. Dies auch, wenn die medizinische Verfassung es eigentlich nicht zu lässt. Dies ist mehr als paradox, da diese Camps als Corona-Quarantäne gedacht waren, um mögliche Fälle einzudämmen. Das gleiche trifft auf die Duschen zu. Diese mussten, an einem der beiden Orte improvisiert werden, da die Zustände es nach zwei Wochen nicht anders zuließen. Als die Menschen sich über diese Situation beim UNHCR beschwerten, wurde ihnen nur gesagt, dass es einigen Menschen schlechter geht und sie sich nicht beschweren sollen. Obwohl zivilen Organisationen der Zutritt nur selten erlaubt ist, kommt Unterstützung von solidarischen Menschen aus dem Norden der Insel. Sie haben mit Kleidung, Schuhen, Hygieneartikeln und Power Banks geholfen.

Während die Bewohner beider Lager hoffnungsvoll blieben, nachdem sie an einem ihrer Meinung nach sicheren Ort angekommen waren, wuchsen die Sorgen über den Mangel an Informationen über ihr Schicksal mit jedem Tag, an dem sie im Lager bleiben mussten. Einigen haben vom Camp Moria gehört und befürchten, dass dies ihre beste Option ist, im Gegensatz zu den geschlossenen Camps auf dem Festland. In dieser Situation leben zu müssen, obwohl sie über Monate oder sogar Jahre auf der Flucht waren, wirft bei ihnen die Überlegung auf, ob dies nicht eher der Anfang eines neuen Kampfes ist, als das Ende, welches sich alle gewünscht hatten. 

Das Recht auf Asyl wird für diese Menschen, die vor Krieg und politischer Verfolgung fliehen mussten, nicht respektiert. Ihnen nur ein absolutes Minimum an Überleben zu gewährleisten, ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Wir sind uns sicher, dass die Verantwortlichen für diese Situation, die griechische Regierung und die europäische Führungskräfte, ihre Haustiere besser behandeln, als diese Mitmenschen. 

Wir fordern die sofortige Evakuierung aller Lager auf den Inseln und die Unterbringung in menschenwürdigen Wohnbedingungen. Wir fordern Bewegungsfreiheit für alle!

Mare Liberum e.V.

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