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Dies ist die Anzahl der Geflüchteten, die seit März 2020 illegal zurück gedrängt wurden, als sie versuchten die Ägäis zu überqueren. Mare Liberum hat Informationen zu 266 Pushback-Fällen gezählt, doch die tatsächliche Zahl ist höchstwahrscheinlich deutlich höher.

Informationen zu sammeln ist schwierig in einem extrem militarisiertem Grenzgebiet, in der derzeit keine zivilen Zeug:innenzugegen sind und wo Fakten politisch instrumentalisiert werden.

Zusätzlich erschwerend kommt die Angst vor Repressionen und Kriminalisierung durch die griechischen Behörden hinzu: Geflüchtete, die öffentlich Aussagen oder Interviews zu Verbrechen der griechischen Küstenwache gegeben haben, wurden verhaftet oder bedroht, weshalb die meisten sich dagegen entscheiden, über Gewalterfahrungen bei Pushbacks zu berichten. Die griechischen Küstenwache setzt außerdem äußerste Brutalität gegen die Menschen auf den Booten ein und wird immer gründlicher darin, alle Telephone zu konfiszieren, sodass keine Informationen an die Außenwelt gelangen und um eine mögliche Strafverfolgung zu verhindern.


Vor einigen Tagen wurde ein Dinghy, ein Schlauchboot, mit dem Menschen oft über die Ägäis flüchten, an der Südküste von Lesbos angespült. Der dünne Gummischlauch war an mehreren Stellen aufgeschnitten – eine gängige Praxis um diese Boote zu versenken. Im Boot: 5 Gummiringe, die anstatt Rettungswesten genutzt wurden und einige persönliche Besitztümer, wie durchnässte Papiere und ein pinker Babyschuh – für ein weniger als 12 Monate altes Kind. Manchmal ist es möglich, diese zerstörten Boote mit Pushbacks in die Türkei zu verknüpfen, aber meistens ist es das nicht und man kann nur hoffen, dass die Menschen nicht ertrunken sind. Wir haben mit Familien gesprochen, die für Wochen und Monate nach ihren vermissten Angehörigen Ausschau gehalten haben, welche versucht hatten, die Ägäis zu überqueren, ohne dass sie Informationen zu ihnen von den Behörden bekommen hätten.

Die Ägäis ist ein Schauplatz täglicher Menschenrechtsverbechen geworden und eine Black Box für Informationen dazu. Dennoch wurden Pushbacks per Videos, Zeugenaussagen und forensischen Beweisen belegt und trotzdem schafft es die Europäische Union nicht, die  Durchführung von Pushbacks auf beinahe industrieller Ebene zu verurteilen und zu beenden – tatsächlich unterstützt sie sogar dieses System der Abschottung und die Professionalisierung dieser illegalen Machenschaften.

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