Am frühen Morgen des 30. Juli kenterte ein Boot nordöstlich von Lesbos an der griechisch-türkischen Grenze. An Bord befanden sich 13 Personen, die versuchten, Europa zu erreichen. Nach Angaben eines Anwohners wurden sie zunächst von Fischern entdeckt, die in der Dunkelheit die Schreie der in Not geratenen Menschen hörten. Die Fischer kontaktierten daraufhin kurz nach 4 Uhr morgens die griechische Küstenwache. Die Küstenwache tauchte etwa 20 Minuten später auf und begann sofort mit der Rettung. Um 05:12 Uhr wurde Stratos Varliamos, örtlicher Fischer und Kapitän des Such- und Rettungsschiffs Nomad der Nichtregierungsorganisation Attika Human Support, von der Küstenwache zur Unterstützung bei der Suche nach den Vermissten gerufen.

Die Nomad eilte zu den Koordinaten, die sie laut ihrem Unfallbericht um 05:45 Uhr erreichte. Das Schiff ΛΣ910 der griechischen Küstenwache koordinierte den Einsatz vor Ort und hatte ein RHIB zur Unterstützung der Schiffbrüchigen entsandt und die Besatzung der Nomad angewiesen, nach zwei vermissten Frauen und einem Baby zu suchen.

Sie suchen gemeinsam, bis die Station der griechischen Küstenwache in Molyvos die Nomad wiederholt anruft und Stratos anweist, in den Hafen zurückzukehren, da “er nicht mit dem Rettungsboot, sondern mit seinem persönlichen hölzernen Fischerboot hätte auslaufen sollen.”

“In diesem Moment war ich wie benebelt und habe nicht mitbekommen, was um mich herum geschah. Ich hätte den Ort des Geschehens niemals verlassen und zurückkehren dürfen”, aber er befolgte den Befehl und kehrte zurück. Als er im Hafen ankam, warteten Beamt:innen der Küstenwache auf ihn, um eine Sicherheitskontrolle des Bootes durchzuführen.

Es bleibt unklar, warum die Behörden die Rettungskräfte von einem Ort zurückziehen, an dem Menschenleben auf dem Spiel stehen. “Wer gibt diese Befehle”, fragt Stratos, “ist es ein Befehl des Staates, diesen Menschen nicht zu helfen, obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist?”

Stratos hat in den letzten Jahren viele Dinge an der Küste von Lesbos erlebt. “Dinge, die man nicht einmal in Filmen zeigen würde.” Er hat ein Fischerboot und ein voll ausgestattetes und zertifiziertes Rettungsboot. “Wer wäre so dumm, ein Fischerboot zu nehmen, wenn ein schnelleres Rettungsboot zur Verfügung steht, und warum sollten die Behörden um diese Art von Hilfe bitten?”

Aus diesem Schiffswrack konnten zehn Menschen gerettet werden. Aber drei Personen, zwei Frauen und ein Baby, werden noch vermisst. Wir müssen davon ausgehen, dass sie auf dem Weg nach Europa ertrunken sind. “Niemand wurde gefunden, und sie werden auch nicht gefunden werden, weil die Meeresströmung sie an diesem Tag wahrscheinlich schnell weit weggetragen hat.“

Es ist absolut unverständlich, wie die griechische Küstenwache ein voll ausgestattetes SAR-Boot wegschicken konnte, obwohl es um die Rettung von Menschenleben ging. Die Suche nach Überlebenden hätte viel schneller und möglicherweise erfolgreicher verlaufen können, wenn das Rettungsboot vor Ort geblieben wäre. Obwohl die griechische Küstenwache möglicherweise für den Tod von drei Menschen verantwortlich ist, weil ihr Widerwille, mit einer NGO zusammenzuarbeiten, wichtiger war als die Rettung von Menschenleben, konzentriert sie sich darauf, der türkischen Küstenwache die Schuld an dem Vorfall zu geben. Dieses geopolitische Machtspiel zwischen Griechenland und der Türkei bringt täglich Hunderte von Menschen auf der Flucht in tödliche Gefahr.

Wir trauern um die Toten und unsere Gedanken sind bei den Hinterbliebenen. Wir fordern außerdem von den Behörden, die zweifelhaften Vorgänge dieses Tages zu untersuchen.

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